'ensemble für städtebewohner' stellt Programm vor
Donaubote (30.10.2005)


Vierjahresförderung für 16 Freie Gruppen Neue Impulse für die Wiener Freie Szene zu initiieren war eines der Ziele der Theaterreform der Stadt Wien, so Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny am Donnerstag bei der Programmpräsentation des "ensembles für städtebewohner" - der ersten von insgesamt 16 Gruppen, die seitens der Stadt eine Vierjahresförderung erhalten. Zehn dieser Gruppen erhalten erstmals länger befristete Verträge. Die Dotation beträgt insgesamt 3,7 Millionen Euro jährlich. Weitere acht Gruppen, davon fünf erstmals, erhalten Förderungen auf zwei Jahre, womit sich der Rahmenbetrag für längerfristige Förderungen auf 4,4 Millionen Euro im Jahr erhöht. Das "ensemble für städtebewohner", eine international zusammengesetzte Gruppe, wird von der Stadt mit 275.000 Euro jährlich dotiert. Der künstlerische Direktor Christoph Coburger sieht darin einen adäquaten finanziellen Rahmen für die Arbeit der Gruppe, generell sei in Wien der künstlerische Freiraum für Theatergruppen zu 100 Prozent gewährleistet. Die Suche nach "Betrachtungslücken", politisch, gesellschaftlich, privat gab Coburger als Richtlinie der Programmatik der Gruppe an. Wiedererkennbarkeit, laute Statements, "Logos" sollen vermieden werden. Quer durch alle Sparten will sich die Gruppe mit Musik, Theater, Oper etc. beschäftigen. So gibt es in der ersten Saison auch ein Auftaktkonzert mit einem Programm von Barock bis Ligeti am 23. Oktober im dietheater und ein Programm "Schöne Lieder" von Charles Ives mit dem Ensemble für neue Musik Zürich im Jugendstiltheater am 18. Dezember, beides unter Beteiligung bzw Leitung des musikalischen Leiters der gruppe, Sebastian Gottschick. Als erste "Opera mono", die jährlich geplant sind, bringt die Gruppe am 29. Oktober im dietheater "Herr K und Frau N" von Christoph Coburger nach einer Geschichte des russischen Autors Alexandr Vvedenskij als Uraufführung heraus. Das Beziehungsdrama wird von einer realen Bühnenfigur, der Frau, dargestellt, ihr Widerpart ist in filmischer Darstellung präsent. "Switch Echo" von Adriano Shaplin kommt am 9. Dezember im WUK zur deutschsprachigen Uraufführung. Übersetzer und Regisseur Alexander Leiffheidt überträgt das im New York des Jahres 1919 spielende Stück um die für die Menschen oft destruktive Kraft des Forschritts am Beispiel der Automatisierung der Telefonie in das Wien dieser Zeit. Im Jugendstiltheater erlebt "Puppen" von Franzobel am 16. Dezember seine österreichische Erstaufführung - eine freie Assoziation zum Thema Puppen, rund um eine dominante Spielorgel choreografiert. Das "ensemble für städtebewohner" ist in diesem Fall Koproduzent vom theateramneumarkt in Zürich. In Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien bringt die Gruppe schließlich Ende Februar 2006 die Kammeroper "idiot" von Johannes Harneit nach Texten von Konrad Bayer im Schauspielhaus heraus. Bayers verbale Gewalt wird dabei von Harneit in der 1987 geschriebene Oper in adäquate Musik übertragen.