Das Off-Theater
Theater der Zeit (Januar 2003)


Eine Inszenierung wie die von Franzobels "Narrenturm" von Christoph Coburger mit dem Ensemble für Städtebewohner/Berlin am Forum Fries Theater Düsseldorf stünde auch jedem größeren deutschen Stadt- oder Staatstheater gut zu Gesicht. Der junge Österreicher Franzobel schreibt Texte zwischen Traum und Wirklichkeit, Alltagspartikel mit historischen Zitaten versetzt, Wortwolken mit realsarkasitscher Erdung. "Narrenturm" spielt im Kopfe seines Erbauers, des Kaisers Josef, oder doch irgendwo in einer vergessenen Ecke Wiens. Die fünf Figuren reden vernünftig durcheinander und können doch nicht über ihre seltsamen Verschrobenheiten hinwegtäuschen. Coburger hat seine Figuren genau beobachtet und ausdifferenziert, die Sprache rhythmisiert zwischen beredtem Schweigen und nichtssagender Geschwätzigkeit.