Zwischen Beatles und Justizpalast
Wiener Zeitung (07.10.2008)

von Stefan Beig

Projekte, wie man sie sonst nicht erlebt: Solches bietet das Ensemble für Städtebewohner. So auch am Samstag in der Radowannhalle auf dem Yppenplatz in Wien-Ottakring. In den engen Räumlichkeiten bildeten Publikum und Aufführende gleichsam eine gemeinsame Bühne: ein klarer Kontrapunkt zum distanzierten Musikerlebnis gängiger Konzertsäle.

Bunt war das Programm: Zum Spiel des Ensembles für Neue Musik Zürich tapezierte der deutsche Maler Thorsten Baensch ein Bild des Brüsseler Justizpalasts an die Wand. Der Zusammenhang zwischen beiden Darbietungen blieb bis zum Schluss unklar, was aber der guten Unterhaltung keinen Abbruch tat. Es war die erste von insgesamt 47 Performances, die das Ensemble für Städtebewohner bis Ende Oktober organisiert.

Unter dem Titel "Schöne Lieder 2" sangen Jeannine Hirzel und Christian Wittmann, begleitet von den Musikern aus Zürich, Lieder von Charles Ives, Hugo Wolf und von John Lennon und Paul McCartney. Die Bearbeitung für achtköpfige Besetzung stammte vom Dirigenten, Sebastian Gottschick. Gerade im Falle von Ives erwies sich die bunte Besetzung (Bläser, Streicher, Schlagzeug, Klavier) als äußerst gelungen: Gottschick versteht es, durch ihren geschickten Einsatz Ives’ vielseitige Musiksprache neu zum Leben zu erwecken. Vorzüglich auch die Musiker.

Klang- und Kochkünste
Weniger glücklich dafür die Aufführung der Beatles-Songs: Dem Arrangement fehlte der nötige Drive. Dass es Gottschick abseits der Popmusik sehr wohl versteht, Instrumente gekonnt einzusetzen, bewies er mit seiner Komposition "Partita".

Am Ende wurde das Publikum auch durch die Kochkunst, ein würziges Buffet, erfreut. Köstlich!